Hellenen und Philhellenen – Rainer Scheppelmann

Lehrer, Politiker, Autor, Verleger, Musiker: Rainer Scheppelmann ist ein Multitalent – mit einer besonderen Beziehung zu einer der schönsten Gegenden Griechenlands, dem Pilion, einem Mittelgebirge an der Ostküste des griechischen Festlandes. Der ehemalige Sprecher des Hamburger Senats ist in den letzten Jahren zu einem Fürsprecher der Region geworden: Mit einer Webseite, einem Reiseführer und unendlich viel Energie und Einsatz wirbt er um Touristen für die Region.

Rainer Scheppelmann (Photo: privat)

Der Vater prägte sein Griechenlandbild

Dabei hat es ihm Griechenland nicht einfach gemacht. In seiner Schulzeit lernte er fünf Jahre Altgriechisch. Allerdings fand er die Art und Weise, wie damals unterrichtet wurde, eher geeignet den Schülern die Freude an der griechischen Sprache zu vergällen. Es gab bei Übersetzungen ins Altgriechische für jedes fehlende Iota-Subskriptum einen ganzen Fehler, ebenso für die anderen Akzente. Wenn man also zehn Sätze wie „Die Soldaten legten einen Kranz am Grabe des Dichters nieder“ fehlerfrei übersetzte, reichten schon vier Akzentfehler, um eine 4 zu bekommen. So rau waren damals die Sitten.

Mein positives Griechenlandbild, sagt er, ist eher dem Einfluss meines Vaters geschuldet. Dieser wurde 1911 in Barcelona geboren und flüchtete 1937 wegen des spanischen Bürgerkriegs aus seiner Heimatstadt. Als Spanier deutscher Nationalität wurde er zur Wehrmacht eingezogen, wählte unheldisch, wie er war, eine Spezialausbildung als Funkentzifferer in der Hoffnung, so nicht schießen zu müssen. Als Besatzungssoldat verbrachte er zwei Jahre in der Nähe von Athen am Cap Sounion, lernte schnell neugriechisch und erzählte seinem Sohn immer wieder: Das beste Volk der Welt sind die Griechen, gastfreundlich, hilfsbereit und gebildet“.

Der 1948 in Hamburg geborene Rainer Scheppelmann besuchte die renommierte Gelehrtenschule des Johanneums, studierte Spanisch, Französisch und Geschichte in Hamburg und wurde Lehrer am Gymnasium Uhlenhorst-Barmbek (1974-1997).

1997 ging er in die Politik und wurde Sprecher des Hamburger Senats. Anschließend arbeitete er bis zu seiner Pensionierung 2013 als Regierungsdirektor in leitenden Funktionen in mehreren Hamburger Behörden.

Die Heimat der Kentauren

Was aber noch ein bisschen wichtiger ist: 1997 heiratete Scheppelmann Eleni, eine in Hamburg lebende Griechin und hat seitdem sehr viele Plätze Griechenlands besucht. Verliebt hat er sich in den zentralen Pilion, besonders in das malerische Küstendorf Damouchari (Νταμούχαρι) an der Westküste.

Rainer Scheppelmann mit seiner Frau Eleni in einer Strandtaverne in Damouchari, 2020 (Photo: privat)

„Der Pilion“, sagt er, „lebte bis 2010 zu 90 Prozent vom innergriechischen Tourismus, der ausländische Tourismus war marginal. Als wegen der Wirtschaftskrise der innergriechische Tourismus ausblieb, schuf ich 2011 die Homepage www.damouchari.info und platzierte zahlreiche Artikel zum Wandern im Pilion in deutschen Zeitungen und Zeitschriften“. Er freut sich, heute dazu beigetragen zu haben, dass der ausländische Tourismus seitdem stark zunahm und die Saison, die früher auf Juli-August beschränkt war, inzwischen von Mai bis Oktober reicht.

Mit Freunden beim Wandern im Pilion, 2016 (Photo: privat)

Wandern im Pilion hieß auch das erste Buch das der Verlag Edition Kentavros („Pilion war die Heimat der Kentauren„) herausbrachte, den er 2013 nach seiner Pensionierung gründete (www.edition-kentavros.eu). Erklärtes Ziel ist es, den Tourismus zu befördern. Es folgten weitere Reisebücher wie Reisen im Epirus – Griechenlands unbekannte Schönheit, Bücher zur Botanik (Flora Graeca) und zur griechischen Geschichte (Das Gesicht hinter dem Marmor und Views in Greece – Am Vorabend der Unabhängigkeitsrevolution). Zuletzt erschienen zwei Romane zur Geschichte von Krieg und Bürgerkrieg: Die Frau mit den sieben Leben mit einem Vorwort von Mikis Theodorakis und Die Reise des Aris, mit einem Vorwort des Bestseller-Krimiautors Petros Markaris.

Global Players

Rainer Scheppelmann ist außerdem seit 2013 aktiv im Förder- und Freundeskreis Ellinikó e.V., einem Verein, der nach der großen Wirtschafts- und Finanzkrise Spenden für griechische soziale Arztpraxen und andere soziale Initiativen in Griechenland sammelt (www.elliniko-friends.eu). Zusammen mit seiner Hamburger Band Global Players und dem griechischen Bouzoukispieler Dimitris Karaiskos organisierte er zwischen 2014 und 2019 fünf Benefizkonzerte zugunsten des Ellinikó e.V., bei denen über 30.000 Euro Spendengelder zusammenkamen.

Mit seiner Band Global Players und dem Bouzoukisten Dimitris Karaiskos, Benefizkonzert im Johanneum 2015 (Photo: privat)

pp/09/2020


Unsere bisherigen Porträts in der Reihe Hellenen & Philhellenen:

Rainer Scheppelmann
Dr. Virginia Green
Prof. Dr. Günther S. Henrich
Marily Stroux
Alkiviadis Thomas