Grußwort des Ersten Bürgermeisters

Grußwort des Ersten Bürgermeisters und Präsidenten des Senats
der Freien und Hansestadt Hamburg Dr. Peter Tschentscher beim Senatsempfang aus Anlass des 100jährigen Jubiläums der DGG-Hamburg im Kaisersaal des Rathauses am 20. April 2018

 

Sehr geehrter Herr Generalsekretär,
sehr geehrte Exzellenzen,
sehr geehrte Frau Dr. Skarpelis-Sperk,
sehr geehrter Herr Professor Pechlivanos,
sehr geehrter Herr Professor Moennig,
sehr geehrter Herr Pantelouris,
sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr geehrten Damen und Herren, 

wer bei einem hundertjährigen Jubiläum zurückschaut, blickt auf eine bewegte Zeit. 

Als die Deutsch-Griechische Gesellschaft Hamburg 1918 gegründet wurde, war das Grauen des Ersten Weltkriegs noch greifbar. 

Bereits vier Jahre zuvor, im Jahr 1914, war die erste derartige Gesellschaft in München gegründet worden, unterstützt von zahlreichen Hamburgern, unter ihnen Werner von Melle, dem früheren Senator und Ersten Bürgermeister und Gründer unserer Universität. 

Was passt besser zusammen als die Gründung einer Universität und einer Gesellschaft für gute Beziehungen zu Griechenland, einer Nation, die mit der Wissenschaft in besonderer Weise verbunden ist? 

Das Ziel der neuen Gesellschaft war die Pflege der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Und gerade weil diese Beziehungen schon damals eng und vielschichtig waren, wurde schnell klar, dass die Arbeit in Ortsgruppen organisiert werden musste. 

Die erste dieser Ortsgruppen war die vor einhundert Jahren gegründete Deutsch-Griechische Gesellschaft Hamburg. Das war kein Zufall, sondern Zeichen der besonderen Freundschaft zwischen den Griechen und unserer Hansestadt, die sich – wie Ihre Arbeit zeigt – bis heute gehalten hat. 

Seit Jahrhunderten leben und arbeiten Griechen in Hamburg. Im 19. Jahrhundert kamen viele Tabakhändler, andere Unternehmer folgten. Trotz der wirtschaftlichen Einbrüche durch den Ersten Weltkrieg wurden 1923 65 griechische Unternehmen in Hamburg gezählt, darunter drei Zigarettenfabriken und mehr als dreißig Tabakhändler oder Tabakmakler. 

Im Museum für Arbeit in Barmbek ist der griechische Tabakhandel in Hamburg eindrucksvoll dargestellt. 

Die griechischen Kaufleute waren erfolgreich und engagiert in der Stadt. 

Und natürlich ist es für eine Handels- und Hafenstadt auch deshalb von Vorteil, gute Beziehungen nach Griechenland zu haben, weil dessen Häfen ein europäisches Drehkreuz in weite Teile der Welt darstellen. 

Die traditionelle Verbundenheit Hamburgs zur griechischen Geschichte und Kultur zeigt sich an vielen Stellen, nicht zuletzt im wenige Minuten von hier entfernten Thalia-Theater, das den Namen der olympischen Muse für das Komische Theater und die Unterhaltungskunst trägt und dessen Fassade die Säulen des Parthenon zeigt.  

Andererseits ist die bis heute bestehende Freundschaft zwischen Griechenland und einer deutschen Großstadt keine Selbstverständlichkeit. 

Denn in das vergangene Jahrhundert fällt auch die deutsche Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg, die mit schlimmen Gräueltaten und hunderttausenden Toten verbunden war. 

Dass Deutschland vor dem Hintergrund dieser Geschichte heute trotzdem wieder freundschaftliche Beziehungen zu den anderen europäischen Nationen haben kann, liegt auch an der auf Versöhnung und Verständigung ausgerichteten Arbeit von Vereinigungen wie der Deutsch-Griechischen Gesellschaft. 

Anders als es die Gründer vorhergesehen hatten, geht es heute nicht nur um die Zusammenarbeit zwischen Institutionen, sondern auch um persönliche Freundschaften. 

Die Deutsch-Griechische Gesellschaft in Hamburg ist ein Motor für die Pflege griechischer Kultur und Traditionen in Hamburg. 

Sie ist eine Schnittstelle zwischen den verschiedenen griechischen Institutionen oder solchen mit starkem Griechenlandbezug. 

Zu ihnen gehören die griechisch-orthodoxen Kirchengemeinden, die griechische Gemeinde in Hamburg und in besonderer Weise das Institut für Neugriechische Philologie und Byzantinistik an der Universität Hamburg, dessen Leiter Professor Moennig zugleich der Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Hamburg ist. 

Liebe Mitglieder der Deutsch-Griechischen Gesellschaften in Deutschland, 

Ihre Versammlung in Hamburg aus Anlass dieses beeindruckenden 100-jährigen Jubiläums kommt zu einer Zeit, in der wir uns auf besondere Weise für die Idee der Völkerverständigung und eines vereinten Europas einsetzen müssen. 

Europa braucht Freundschaften zwischen den Menschen seiner Nationen, es braucht Fürsprecher wie die Deutsch-Griechische Gesellschaft. 

Die Jahrzehnte des Friedens und der Kooperation in Europa sind nicht von allein entstanden. Sie sind das Ergebnis ständiger Anstrengung und Bemühungen, auf andere zuzugehen, Konflikte gewaltlos und nach demokratischen, rechtstaatlichen Regeln auszutragen. 

Griechenland ist nicht nur historisch die Wiege der Demokratie, es ist auch ein unentbehrliches Mitglied der europäischen Staatenfamilie. 

Die griechische Kultur ist bei uns überall erlebbar – in den Museen genauso wie in den Unternehmen und im Alltag. 

Die Arbeit der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Hamburg zeigt, wie kulturelle Unterschiede in einem geeinten Europa nicht als Problem gesehen, sondern als Vielfalt gefeiert werden. 

Zu Ihrem hundertjährigen Jubiläum sage ich Ihnen im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg Herzlichen Glückwunsch! 

Sie fördern die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland – und mehr noch: zwischen Deutschen und Griechen. 

Die vielen Vorträge, Ausstellungen, Diskussionen und Begegnungen, die die Deutsch-Griechische Gesellschaft Hamburg organisiert, die Zusammenarbeit mit Stiftungen, Schulen und der Universität gehören zu unserer Stadt wie die Elbe, die Alster und der Michel. 

Vielen Dank dafür und alles Gute für die Zukunft!