Grußwort der Präsidentin der VDGG Frau Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk

Im Namen der 39 Gesellschaften und Vereine, die in der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften angeschlossen sind, möchte ich dem Geburtstagskind zum goldenen Jubiläum die besten Glückwünsche unserer Mitgliedsvereine überbringen, und ihm und an seiner Spitze Professor Moennig auch persönlich wünschen, dass die Hamburger Gesellschaft weitere einhundert Jahre aktiv bleibt und ihren wertvollen Beitrag zur deutsch-griechischen Freundschaft weiterhin mit dem gleichen Enthusiasmus leistet.

Das ist gerade in den unsicheren Zeiten wie heute, in denen viele in Europa glauben, dass die 70 Jahre Frieden selbstverständlich sind, sich über die Kosten des Zusammenwachsens beklagen und dabei vergessen, wie unendlich teuer auch an Menschen und der Jahrzehnte  lange Wiederaufbau waren. Heute stehen nicht wir, sondern Griechenland in gravierenden überwiegend von dem Finanz-Crash des vergangenen Jahrzehnts verursachten Krise, die durch die Austeritätspolitik nochmals dramatisch verschärft wird. Die Armut in Griechenland hat gewaltig zugenommen und mit Spanien stellt Griechenland den Weltrekord an Jugendarbeitslosigkeit in den Industrieländern. Man bedenke: diese jungen Leute sind die bestausgebildete junge Generation, die Griechenland in seiner Geschichte hatte und die derzeitige Politik macht sie zu einer Verlorenen Generation. Das dürfen wir nicht zulassen!

Die vorhandenen Programme in Europa sind  völlig unzureichend und sie müssen nicht auf den Prüfstand, sondern schnell und umfassend geändert werden – auch in unserem eigenen deutschen und europäischen Interesse.

Das kann man nicht von oben verordnen, sondern muss auch von unten getragen werden. Deswegen ist es so wichtig, dass es Verein wie unseren Hamburger Verein gibt, denn wenn ein Verein ein Jahrhundert lang aktiv bleiben kann, ist das vor allem seiner Zielsetzung und dem Einsatz seiner Mitglieder zu verdanken. Eine besondere Leistung ist es jedoch, wenn es sich dabei um einen bilateralen Verein handelt, dessen Arbeit auch von den bilateralen Beziehungen der betroffenen Länder nicht unbeeinflusst bleibt. Dass die Deutsch-Griechische Gesellschaft Hamburg durch Weltkriege, Diktaturen und nicht wenige Turbulenzen wie den Hetzkampagnen namhafter Presseorgane  in beiden Ländern  im deutsch-griechischem Verhältnis ganze hundert Jahre lang lebendig bleiben konnte, hat sie sicherlich den festen Fundamenten zu verdanken, auf die sich die Beziehung beider Länder – und vor allem die Beziehung der Griechen zu der Hansestadt Hamburg – seit Jahrhunderten stützen konnte.

Es ist nicht verwunderlich, dass das maritime Volk der Griechen, das seit der Antike den Kontakt zu anderen Kulturen suchte und ständig neue Handelswege auskundschaftete, bereits früh den Weg zu dieser weltoffenen Handels- und Schifffahrtsstadt Hamburg gefunden und sich hier heimisch gefühlt hat. Seefahrt, Handel und Kulturgeschichte verbinden Hamburg und Griechenland seit Jahrhunderten. Schon zu Zeiten des byzantinischen Kaiserreiches lassen sich Beziehungen zwischen Hamburg und Griechenland dokumentieren.

Später prägen griechische Tabakhändler, Zigarettenfabrikanten, Weinimporteure, Schifffahrtsagenten und Versicherungsmakler das Wirtschaftsleben in der Hansestadt mit. Wenige Jahre nach Gründung der Universität in Hamburg erscheinen schon die ersten griechischen Studenten an der Alster, und bald darauf auch die ersten Wissenschaftler. Universitätsprofessoren, deutsche Unternehmer und griechische Kaufleute finden sich zusammen in der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Hamburg, die zu einem Treffpunkt von Griechen und Philhellenen wurde und bis heute ist.

Dass es Hamburg war, wo der neugegründete griechische Staat 1861 sein erstes Konsulat auf deutschem Boden eröffnete, und dass hier, im Hotel Esplanade, 1929 der erste deutsch-griechische Handelsvertrag unterzeichnet wurde, hat also seine Begründung in diesen engen Beziehungen zwischen Hamburg und Griechenland.

Die deutsch-griechische Gesellschaft Hamburg (DGG HH) hat sich hingegen in den letzten Jahrzehnten nach dem Krieg vor allem die Förderung des wissenschaftlichen Dialoges im Rahmen der Universität Hamburg zum Schwerpunkt gemacht. Seit Ausbruch der aktuellen Wirtschaftskrise in Griechenland hat sie sich auch zunehmend um die Unterstützung der jungen Menschen in Griechenland und dem Jugendaustausch zwischen Hamburg und Griechenland gekümmert, sich einem breiteren, außeruniversitären Publikum geöffnet und viele Veranstaltungen außerhalb des Campus gehalten.

Und ich bin sicher, sie werden auch in hundert weiteren Jahren noch blühen.                 

Denn, Freundschaft und das Interesse am anderen, das haben die letzten hundert Jahre gezeigt, sind wie kretische Olivenbäume – sie überleben alles.