Hamburg und der Freiheitskrieg der Griechen

Am 25. März feiert Griechenland traditionell seinen Nationalfeiertag, der gleichzeitig ein bedeutender griechisch-orthodoxer Feiertag ist (Mariä Verkündung). Man feiert den Ausbruch der Revolution der Hellenen 1821, gegen die osmanische Herrschaft, die zur Gründung des unabhängigen neugriechischen Staates neun Jahre später führte. Da dieses Jahr ein besonderes Jubiläumsjahr ist, feiert man in ganz Griechenland – und Millionen Griechen weltweit – mit vielen Veranstaltungen 200 Jahre unabhängiges und freies Hellas – nach vier Jahrhunderten osmanischer Unterdrückung (1453 – 1830).

Der Aufstand des kleinen Volkes der Hellenen gegen die osmanische Übermacht erschütterte damals ganz Europa und wirkte sich auch in politischer Hinsicht auf den gesamten Kontinent aus. In allen europäischen Ländern entstand eine starke Solidaritätsbewegung. Auch in vielen deutschen Städten bildeten sich Philhellenen-Komitees zur Unterstützung der Griechen – auch in Hamburg. Über 400 Freiwillige aus Europa und der ganzen Welt zogen nach Griechenland in den „Heiligen Krieg für Religion, Leben und Freiheit“. 125 von ihnen waren Deutsche, von denen 25 aus der Hansestadt stammten (drei davon aus Altona). Sieben Hamburger fielen in den Kämpfen gegen die Türken, unter ihnen der bekannte General Chevalier und der angesehene Professor des Hamburger Johanneums F. G. Zimmermann. Zu den prominenten Hamburger Philhellenen, die den Kampf der Griechen mit Geld- und Waffensammlungen unterstützten, gehörten die Familien Sieveking und Lutteroth, aus denen mehrere Hamburger Bürgermeister hervorgingen.

Bischof von Patras
25. März 1821, der Bischof von Patras Germanos segnet die Waffen der Aufständischen. Bild des Malers Theodoros Vryzakis (1814-1878), Öl auf Leinwand © Nationalgalerie Athen

 

 

Aus Anlass des 200. Jubiläums veröffentlichen wir hier Auszüge aus einer Festschrift, die zum zwanzigjährigen Bestehen der Zweigstelle Hamburg der Deutsch-Griechischen Gesellschaft (DGG), der späteren DGG Hamburg, 1940 in der Schriftenreihe der DGG (Heft 6) veröffentlicht worden ist. Unter dem Titel „Die Hamburger Philhellenen gibt dort Dr. Bernard Vonderlage ein umfassendes Bild der Philhellenen-Bewegung in der Hansestadt in den Jahren der griechischen Revolution, bringt Berichte Hamburger Philhellenen von den Kämpfen gegen die Türken und beschreibt ausführlich die Haltung der Hamburger Presse gegenüber der griechischen Erhebung. Dieses letzte Thema wird den Kern des vorliegenden Beitrages ausmachen.

Die Hamburger Philhellenen
Festschrift „Die Hamburger Philhellenen“ von 1940

Vonderlage beschreibt wie folgt den Beginn der Mobilisierung der Hamburger Philhellenen für die Sache der Griechen wenige Monate nach dem Ausbruch der Revolution:

Der Aufruf von Major Dannenberg 1821


»In den Augusttagen des Jahres 1821 konnten die Hamburger Bürger Zettel an den Straßenecken sehen, junge Burschen eilten von Haus zu Haus, und trugen die gleichen Zettel von Wohnung zu Wohnung. Mancher wird aus mehr als einem Grunde aufmerksam gelesen haben:

Aufruf an Deutsche Jünglinge


„Der Kampf für Religion Leben und Freyheit ruft uns zu den Waffen! Menschlichkeit und Pflicht fordern uns auf, unseren christlichen Brüdern, den braven Griechen, zu Hülfe zu eilen, unser Blut, unser Leben für die heilige Sache zu wagen!

Die Herrschaft der Muselmänner in Europa naht sich seinem Ende; frey muß Europas schönstes Land, frey muß Griechenland von dem Unmenschen werden! Laßt auch uns mit unseren Kräften dazu beytragen.

Greift zu den Waffen, brave deutsche Jugend, laßt uns eine griechische-deutsche Legion bilden, und bald unseren Brüdern Beystand bringen! Gediente und erfahrene Offiziere sind bereit, uns anzuführen!  – Gott wird mit uns seyn, denn es ist eine heilige, – der Menschheit Sache – es ist der Kampf für Religion, Leben und Freyheit, der Kampf gegen Unmenschen! Unser Unternehmen wird der Allmächtige begünstigen! Siegreich und mit Ruhm gekrönt werden wir dann, gesegnet, von unseren griechischen Brüdern und der ganzen Christenheit mit dem herrlichen Bewußtseyn für Religion und Freyheit gefochten und die Sklavenketten von Millionen unserer Brüder zerbrochen zu haben, unser deutsches Vaterland wiedersehen.

Teilnehmer melden sich unverzüglich Große Bäckerstr. 62, wo sie das Nähere erfahren können. Deserteure werden nicht angenommen.
Ein Verein wird Beyträge zur Unterstützung dieses für die Menschheit heiligen Unternehmens sammeln und verwenden.


Hamburg, im August 1821

 

Es folgte der Stempel der deutsch-griechischen Legion, ein Kreuz mit der Unterschrift „Gott mit uns“.

Sicher erregte nicht nur der Aufruf, sondern auch der Name des Verfassers großes Aufsehen. Es war niemand anders als der Major und Platzadjutant der Stadt Hamburg C. W. Dannenberg. Als 1812 das große Ringen um die deutsche Freiheit begann, da war auch er zu den Fahnen geeilt, wurde Wachtmeister und Seconde-Leutnant bei dem Kosakenschwadron und der Hanseat, nahm teil an den Kämpfen in der Göhrde und wurde 1815 zum Premier-Leutnant befördert.«

Den ausführlichen Bericht Vonderlages über die Reaktion auf Dannenbergs Aufruf, die Bildung der griechisch-deutschen Legion und die Expedition nach Griechenland werden wir zu einem späteren Zeitpunkt hier veröffentlichen. Im Folgenden bringen wir seinen Beitrag zur „Haltung der Hamburger Presse im Freiheitskriege der Griechen“ (S. 101-112):

Die Haltung der Hamburger Presse im Freiheitskriege der Griechen

Wohl nirgends in Deutschland wurden die Bewohner einer Stadt von den Ereignissen im griechischen Freiheitskampf so eingehend und so ausführlich unterrichtet wie in Hamburg. Das lag einmal daran, dass die Hamburger Presse sich von dem schweren Schlage, den Napoleon gegen sie geführt hatte – vor der französischen Besetzung war Hamburg die zeitungsreichste Stadt in Deutschland – wieder erholt hatte, und wenn sie sich auch nicht zu der dominierenden Höhe, die sie vorher innehatte, wieder aufschwingen konnte, so kann um das Jahr 1828 Hamburg schon wieder als die pressereichste Stadt bezeichnet werden.

In der Elbestadt erschienen außer den belehrenden Zeitschriften mindestens 15 Zeitungen. Sie alle standen im Dienste der griechen­begeisterten öffentlichen Meinung, des Philhellenismus. Eine Ausnahme machte nur, soweit aus den noch vorhandenen Exemplaren ersichtlich, der Neuigkeitsträger“, der von I. H. Meyer „zur angenehmen, abwechselnden Belustigung“ herausgegeben wurde. „Der Student als Verfechter der Griechen pausiert im Zuchthaus“, lautet die Überschrift eines Artikels vom 3. November 1821. Mit hämischen Worten zieht I. H. Meyer über den bekannten Studiosus Clood her, der als eifriger „Türkenbekämpfer“ in Holstein herumgezogen war und Gelder zur Unterstützung der Griechen gesammelt hatte. Als er auch in Hamburg von Haus zu Haus zog, hatte sich aber „die Polizei seiner bemächtigt und ihn ins Zuchthaus gesetzt“. Ironisch spricht dann das Blatt von überspannten Ideen, die zu ordnen er jetzt Gelegenheit und Muße habe.

Der „Hamburgische unpartheyische Correspondent“

Doch es ist bezeichnend, daß das Blatt in den gebildeten Kreisen Hamburgs sich keiner großen Beliebtheit erfreute. Und noch viel weniger konnte der Zensor es leiden. Öfter findet man in den Zensurakten eine scharfe Rüge für den „Neuigkeitsträger“, und am 30. Mai 1830 wird die Zensurbehörde vom Senat angewiesen das „Winkelblatt“ besser zu überwachen. Doch die anderen Zeitungen erhoben offen ihre Stimme zugunsten der Griechen. Der „Hamburger Unparteyische Correspondent“ war so freimütig, daß er, der sonst wegen seiner gut verbürgten Nachrichten sehr geschätzt wurde, von den preußischen Zeitungen nicht als Quelle benutzt werden durfte.

Die erste Meldung von dem Aufstand der Griechen bringt die Nummer vom Dienstag, 3. April 1821.

Alexandros Fürst Ypsilantis (1792-1828), Griechischer Freiheitsheld, Führer des Geheimbundes Filiki Etairia, der den Aufstand in den Donau-Fürstentümern erfolglos erprobte – Bild von Peter von Hess © Benaki Museum Athen

Die in der Wallachei und Moldau ausgebrochenen Unruhen scheinen eine sehr ernsthafte Wandlung zu nehmen und mit einem ausgedehnten Plane aller Griechen gegen die Herrschaft der Türken in Verbindung zu stehen“. Eine Woche später erscheint der „Aufruf des Ypsilanti“. Der Fürst wird in einem drei Seiten umfassenden Artikel als zweiter Alexander gepriesen.

In den ersten Nachrichten über die Kämpfe zwischen den Griechen und den Türken mag der Unparteyische Corres­pondent“ nicht so ganz unparteiisch sein. Denn die Türken kommen bitter schlecht davon, sie sollen zum Beispiel einmal 6000 Mann Verluste gehabt haben, die Griechen dagegen 800. Überhaupt merkt man es dem Correspondenten leicht an, daß er gern die den Griechen günstigen Nachrichten bringt. So lesen wir auch in einem Briefe, den Karoline an Wilhelm v. Humboldt schreibt: „Auch die neuesten und günstigen Nachrichten über Missolunghi habe ich nun heute in der Hamburger Zeitung gelesen.“ Am 4. Juli erscheint dann ein längerer Leitartikel, der den Freiheitskampf der Hellenen freudig begrüßt. „Das Volk, das, nachdem es lange das Joch der Sklaverei getragen und durch ungerechte Gewalt in jeden menschlichen und bürgerlichen Verhältnissen unterdrückt worden, sich mit einem Mal gegen seine Quäler auflehnt, um wieder zu erkämpfen, was sie treuloser Weise ihm entrissen haben, gewährt einen großen und ehrenden Anblick; es ergreift das Schwert für eine heilige Sache, und mit dem edlen Entschlusse, entweder rechtlich und frei zu leben, oder zu sterben“.

Es wird feierlich Verwahrung eingelegt gegen die Behauptung, daß die Griechen durch ihren Aufstand die Grundsätze der Moral verletzen. „Es spricht in ihnen im Gegenteil die Stimme des sittlichen Gefühls, das hier einen gerechten Kampf der Unterdrückter gegen ihre Peiniger erkennt, und in seinem Ausgange einen herrlichen Sieg der Humanität über die Barbarei, des Lichtes über die Finsternis, des Vernunftgesetzes über die rohe Willkür erwartet“. Daß die Länder, die einst die Sitze der höchsten geistigen Kultur waren, der Unkultur wieder entrissen werden, bedeutet einen Fortschritt des Menschengeschlechts zu höherer Vollkommenheit.

Empfang Lord Byrons in Missolonghi
Lord Byron, einer der grössten englischen Dichter und leidenschaftlicher Philhellene, kam nach Messologhi während der zweiten Belagerung. Er starb dort 1824 im Alter von 36 Jahren an einer Krankheit – Bild von Theodoros Vryzakis (1814-1878) , Öl auf Leinwand © Nationalgalerie Athen

Unverkennbar gegen die Metternich’sche Politik richtet sich der Satz, daß die Sache von Europa weniger gefährdet ist, wenn die Herrschaft des Osmanen durch die Auflehnung der Untertanen fällt, als wenn sie durch auswärtige Mächte gestürzt würde. Das waren mutige, mannhafte Worte, die in Preußen und anderen deutschen Bundesstaaten vielleicht die Einleitung eines Strafverfahrens zur Folge gehabt hätten. So wollte zum Beispiel der Staatsrat Schulz den Professor Zeune wegen seines Aufrufs für die Griechen zur  „Kriminaluntersuchung“ ziehen lassen.

„Täglich Berichte über die Ereignisse in Griechenland“

Jeden Tag erfuhren die Leser des Korrespondenten ausführlich von den Ereignissen in Griechenland; Mitteilungen, die zusammengestellt noch heute eine gute Darstellung des  Freiheitskampfes der Hellenen geben. Daneben aber veröffentlichte der Korrespondent interessante Aufsätze über Volkstum, Bräuche und Sitten der Griechen. So erschien zum Beispiel in der Sonnabend-Ausgabe vom 12. Mai 1827 ein langer Brief des Philhellenen Villeneuve. Noch ausführlicher berichteten über die Griechen andere Hamburger Zeitungen und Zeitschriften. So zum Beispiel das von einem der eifrigsten Philhellenen der Elbestadt F. W. Menck redigierte Archiv für Wissenschaften, Künste und Gewerbe“.  Am 10. November 1829 erschien unter anderem ein Aufsatz über „Das Verhältnis der Griechen der alten und neuen Zeit“, in dem der Verfasser zu dem Schluß gelangt, „daß das Volk der Hellenen sich in seinem Wesen überall und zu allen Zeiten gleichgeblieben sei. Mag die körperliche Beschaffenheit der Neugriechen auch verändert sein; das innere Mark ist noch eben so wie unter Perikles“.

Hellas zeigt ihre Dankbarkeit
Hellas zeigt ihre Dankbarkeit – Bild von Theodoros Vryzakis (1814-1878) Öl auf Leinwand © Nationalgalerie Athen

Der Niederelbische Merkurius,ein belehrendes Unterhaltungsblatt für den Bürger und Landmann“ brachte in Nr. 25 (1826) einen Aufsatz über griechische Hemden, der einen Einblick in die damalige Seidenindustrie und den Handel Salonikis vermittelt. Ein anderer Aufsatz über „Die Griechen“ in Nummer 39 desselben Jahres hebt den Heldensinn, die Beharrlichkeit und die Hingebung der Hellenen hervor. „Schon stehen die Namen von vielen ihrer Edlen in den Jahrbüchern der Geschichte aufgezeichnet“.

„Den alten Griechen und dem Christentum verdanken wir alles“

Die Hamburger Wochenschrift“ schreibt in ihrer Nummer vom 1. September 1824 „Den alten Griechen und dem Christentum verdanken wir alles, was wir sind und wir sehen ruhig zu wie diese Griechen-Enkel, unsere Kreuzesbrüder, vom barbarischen Halbmond zertreten und ausgerottet werden und hunderttausende des Kampfes geübte Streiter müßig dastehen. Ist das auch fortschreitende Kultur?“

Die Volkslieder, die Freiheitsgesänge der Griechen, fanden – wie konnte es anders sein – in Hamburg besonderes Interesse, hatten doch auch sie die Lieder eines Theodor Körner zum Kampfe gegen die Tyrannei begeistert. So erschien denn in der „Hammonia“ am 12. Dezember 1827 die Übersetzung eines Teils des Liedes von Dionysios Solomos „die Freiheit an die Klephten“, die als erste Veröffentlichung der jungen neugriechischen Poesie in Hamburg eine gewisse literar-historische Bedeutung hat.

Überaus reich ist auch die Zahl der Stimmen englischer und französischer Philhellenen, die in der „Hammonia“ zu Worte kommen. Es sind zum Teil wertvolle Aufsätze, die sonst in Deutschland nur sehr selten veröffentlicht sind, so zum Beispiel ein Aufsatz von Lytton BulwerWie es in Griechenland aussieht („Hammonia“ 17. September 1827) oder George Waddington’s  „Besuch in Griechenland in den Jahren 1823 und 1824“  („Hammonia“ 11. November 1825) oder ein Aufsatz aus dem New Monthly Magazine über Konstantin Bozzaris und seine Sulioten. Sehr begehrt sind naturgemäß die Reisebeschreibungen Griechenlands. So bringt die „Hammonia“ am 30. Juni 1820 einen interessanten Auszug aus „Dr. Bromsteds Reise durch Griechenland“.

Der Schmetterling“ eine von I. P. Geier herausgegebene Hamburger Zeitschrift mit dem langen Untertitel „Blüthen der Wahrheit und Dichtung aus der wirklichen und idealischen Welt“ brachte unter der Überschrift „Der Freiwillige unter den Griechen“ oder „Die Reise von Marseille nach Korinth“ einen Auszug aus dem Bericht des bekannten Philhellenen Gustav Feldham. Gern gelesen werden sicher auch die öfter in den „Literarischen Blättern“ veröffentlichten Briefe von Feldzugsteilnehmern. So brachten sie zum Beispiel in Nr. 340 (1828) den Auszug eines Briefes aus Morea von einem zu der französischen Expedition gehörigen Offizier. Der Brief ist im Gegensatz zu manchen Philhellenenberichten sehr günstig. „Wir haben schon verschiedene Expeditionen gemacht und haben nur gute Menschen getroffen, wohl bewaffnet zwar aber sehr freundlich gegen uns“.

Im Jahre 1830 erscheint in Nr. 518 der „Literarischen Blätter“ ein Aufsatz von J. Fuller, der zu Anfang des Krieges in Athen wohnte und die Erstürmung der Akropolis als Augenzeuge in spannender Weise schildert. Noch im gleichen Jahr wurden die „Erinnerungen aus Morea“ von Ch. Lenormand veröffentlicht, in denen besonders die treffliche Schilderung von Lepanto auffällt.

Belagerung der Akropolis
Das Lager von General Georgios Karaiskakis bei Piräus während der sechsmonatigen Belagerung der Akropolis von Athen. Hier fiel bei den Kampfhandlungen am 6. Mai 1927 der Philhellene F. C. Zimmermann, Professor am Hamburger Johanneum – Bild von Theodoros Vryzakis (1814-1878), Öl auf Leinwand © Nationalgalerie Athen

Auch die so oft erwähnte Stadt Modon ist in recht launiger Weise beschrieben. Besonders die „Lesefrüchte vom Felde der neuesten Literatur des In- und Auslandes“, die von I. Ch. Pappe herausgegeben wurden, brachten gern solche Beschreibungen, so zum Beispiel im ersten Band, Seite 278, 1827, den „Reisebericht eines Philhellenen“, dessen Name nicht genannt wird. Im Jahre zuvor erschienen im dritten Band (208) 1826 „Die Erinnerungen aus Griechenland während des Feldzuges von 1825 von Lauvergne“. Sehr gut ist ferner die Übertragung des begeisternden Aufsatzes von Simon de Sismondi, in dem vierten Bande (8. Stück) vom Jahre 1825. Auch die griechenfreundliehen und so hochstehenden „Literarischen Blätter der Börsenhalle“ bringen manchen Reisebericht. So veröffentlichten sie zum Beispiel in Nr. 88 (1826) Seite 723, „Das Tagebuch einer Reise nach Griechenland und Albanien von einem Deutschen, der in englischen Diensten stand, Berlin 1826“. Daß besonders in den sprachlichen Deutungen auch mancher Schnitzer mit unterläuft, ist leicht erklärlich. So druckt die „Hammonia“ ohne ein Wort der Kritik den wissenschaftlich auf recht schwachen Füßen stehenden Aufsatz des Franzosen Guillaume de Vaudroncourt ab, der zum Beispiel Morea von μωρέ= töricht herleitet. Selbst ein an Format und Auflage so kleines Blatt wie die „Hamburgische Sonntagszeitung“ brachte einen Aufsatz über Patras, der sich damals noch in der Hand der Türken befand. Sehr gut wird die Lage der Stadt beschrieben. Patras hat zwar jetzt schmutzige, enge Straßen, treibt aber dennoch wegen der umliegenden, sehr fruchtbaren Gegend und der Nähe am Meer, einen lebhaften Handel mit Seide, Öl, Korinthen, Wolle, Wachs und Leder.

Novelle „Die Griechin von Chios“

 Gern gelesen wird auch die Novelle, die über die Ereignisse in Griechenland handelt. Selbst kleinere Zeitungen und Zeitschriften bringen sie. So ver­öffentlicht das ebenfalls von I. P. Ch. Geier herausgegebene „Lustige Wochenblatt zur Erschütterung des Zwerchfells und Erweckung froher Laune“ in Nr. 9 (1827) eine recht spannend geschriebene Novelle „Die Griechin von Chios“. Ein Türke will eine gefangene Griechin bewegen, zum Islam überzutreten. Doch sie bleibt allen Lockungen und Drohungen standhaft und stößt sich einen Dolch ins Herz. Der „Hamburger Beobachter“ brachte am 30. November 1824 eine kleine Novelle „Der Philhellenische Kleiderkünstler“. Sie berichtete von einem Schneider, der beim Anmessen und Anpassen von seinen Feld­zugserlebnissen im Kampfe gegen die Türken erzählen muß. „Ich habe nicht studiert, Monsieur, aber ich bin ein großer Bewunderer von allem was schön und groß ist. Besonders liebe ich die Griechen, ach! das sind Männer“.

Kampfhandlungen
„Szene aus dem Befreiungskampf der Griechen“ – Bild von Eugène Delacroix (1798-1863), Der große französische Maler hat eine Reihe von beeindruckenden Bildern von der griechischen Revolution gemalt, ohne jemals in Griechenland gewesen zu sein  – Öl auf Leinwand © Nationalgalerie Athen

Am 26. August desselben Jahres lesen wir im „Hamburger Beobachter“ wieder eine kleine Novelle: „Die wahn­sinnge Griechin“. Eine Griechin, die in den Straßen einer Stadt her­umirrt, wird in den Salon eines vornehmen Mannes geführt. Eine Baronesse fragt sie, warum sie ihr Land verlassen habe. Da antwortet die Griechin: „Warum? o Törin! gehe hin auf den hohen Gipfel des Pindus, wenn du es vermagst, und schaue hinab in den Sturm er pfeift, wie die Kugel des Mörders; seine entwurzelten Bäume seufzen, wie die Menschen, die der Blick eines Pascha tötet, wie eine Mutter, die ihren Sohn sucht“. Dramatisch schließt die kleine Novelle. Ein Jüngling stürzt sich der Griechin zu Füßen es ist ihr Sohn, den die Wahnsinnige nicht erkennt; sie meint vielmehr, es sei der Scherge des Aga, der ihr das Kind geraubt hat.

Auch der Zeitschrift Neuer Hamburger Briefträger, Wochenzeitschrift für frohe, doch anständige auch wohl ernste Lokalunterhaltung“, die von I. W. Schulz redigiert wurde, behagte ein leicht ironischer Ton. In der Nummer vom 20. 1. 1827 wendet er sich dagegen, daß im Cirque Diane jetzt ein Stück „Die Beschützung der Sklavin durch den edel­mütigen Türken“ aufgeführt wird. Es sei gegen alle Mode und gegen den Geist der Zeit, daß man edelmütige Türken auf die Bretter bringt, da alle Welt für die Griechen gestimmt sei. „Schwerlich wenigstens möchten hamburgische Schiffsbaumeister Fregatten für den Pascha von Aegypten zu zimmern sich geneigt finden lassen, oder – für türkische Beutel – doch vielleicht?

Das Verbrennen des türkischen Flaggschiffs durch Kanaris
Die Zerstörung des Flaggschiffes der türkischen Flotte durch den Feuerschiffskapitän Konstantinos Kanaris (1793-1877) im Juni 1822 als Vergeltung für das türkische Massaker auf der Insel Chios. Kanaris, der später Admiral und Ministerpräsident Griechenlands wurde, machte sich einen Namen mit Brandanschlägen auf türkische Kriegsschiffe  – Bild von Ivan Aivazovski (1817-1900), Öl auf Leinwand © Nationalgalerie Athen

Sehr beißend konnte auch die von C. H. A. Meldau gegründete „Sonntagszeitung“ werden, die zum Beispiel am 25. März 1827 ihren Unmut über die Untätigkeit der Staaten gegenüber der Not der Hellenen in einigen scharfen Versen zum Ausdruck brachte.

Ein viel gelesenes, gut redigiertes Blatt‚ die von Georg Lotz her­ausgegebenen „Originalien aus dem Gebiete der Wahrheit, Kunst, Laune und Phantasie“ bekundete seine philhellenische Einstellung durch die Veröffentlichung der tief empfundenen Griechenlieder der begabten Friederike Brun, des in Hamburg verstorbenen Baggesen und des Schleswig-Holsteiners Harro P. Harring. Daß „die Biene eine unterhaltende Zeitschrift, aus dem Gebiete der Literatur und Kunst“, sehr warm für die Griechen eintrat, dafür bürgte der Name der Re­dakteure. Sie wechselten zwar oft, immer aber waren es bekannte Hamburger Philhellenen, so zum Beispiel in den Jahren 1821-1824 Ludewieg, dann Dr. B. Wolff und später der bekannte Professor am Johanneum, F. G. Zimmermann.

„Alles wird von den Türken vernichtet“

Das von H. C. Smok redigierte „Ham­burger Wochenblatt“ berichtete unter anderem über „physikalische Merkwürdigkeiten in Griechenland“ Nr. 34, 1824. Die „Wöchentlichen Gemeinnützigen Nachrichten von und für Hamburg“, die schon am 19. Mai 1819 wieder in ihrem alten Gewande erschienen, teilten ihren Lesern, wenn auch nur sehr kurz, so doch regelmäßig die Ereignisse in Griechenland mit. So knapp zusammengedrängt auch die Berichte sein mögen, man erkennt doch leicht, daß das Herz des Redakteurs den Griechen zugeneigt ist. Am 28. Mai 1822 berichten nämlich die „Wöchentlichen Nachrichten“­­ – die später als „Hamburger Nach­richten eine der bedeutendsten Zeitungen nicht nur in Hamburg, sondern auch in ganz Deutschland wurden, von dem Aufstand der Bewohner der Insel Chios: „Alles wird von den Türken durch Feuer und Schwert vernichtet. Die vorgefallenen Greuel sind den Berichten zufolge schauderhaft und nehmen das herzlichste Mitgefühl in An­spruch“. So hätte der österreichische Beobachter sich nicht ausge­drückt, von dem Varnhagen von Ense sagt: „Alle Leute sind hier empört über die neuesten Stücke des „Oesterreichischen Beobachters“!

„Navarino fand ein freudiges Echo“

Auch die in Hamburg verlegte und von B. A. Herrmann redigierte Zeitung „Der neue Wandsbeker Bote“ sprach in Poesie und Prosa für die Griechen. Freudig begrüßt er zum Beispiel den Sieg von Navarino, der die erhabensten Hoffnungen jedes guten Christen und Weltbürgers erwecke. Der bekannte Friedrich de la Motte-Fouqué hatte in dieser Zeitung seine neuen Griechenlieder veröffentlicht. Überhaupt fand die Schlacht bei Navarino, wie nicht anders zu erwarten, in der Hamburger Presse ein freudiges Echo. Der von Pa. L. Gottfried herausgegebene „Freischütz“ schreibt, um nur eine von den vielen Stimmen zu erwähnen, am 30. August 1828: „Ebenso begeistert wird das Eingreifen Rußlands in den griechischen Aufstand begrüßt… Rußland schreitet nun unaufhaltsam mit seinen Armeen vorwärts, die nicht eher einen Ruhepunkt als am Bosporus und Hellespont finden“.

Die Seeschlacht bei Navarino
„Die Seeschlacht bei Navarino“ – Am Golf von Navarino an der Westküste der Peloponnes zerstörten die Großmächte England, Frankreich und Russland am 20. Oktober 1827 die türkisch-ägyptische Flotte und sicherten damit den positiven Ausgang der Revolution. Es war die letzte bedeutende Seeschlacht mit Segelschiffen in der Geschichte – Bild von Ivan Aivazovsky (1817-1900), Öl auf Leinwand (State National Museum St.Petersburg) – © commons.wikipedia.org

Konstantinopel wird und muß fallen, Mahmud II, wird nicht mehr sein. Wie so oft in der Hamburger Presse wird auch im Freischütz“ das Zaudern Englands scharf gegeißelt. Es hat einen großen Fehler begangen, daß es die Griechen morden und ganze Völkerschaften in die asiatische und aegyptische Sklaverei schleppen ließ. „England hat aufgehört, auf dem Culminationspunkt seines Glückes zu sein“.

Auch Aufsätze bedeutender Griechen erscheinen in der Ham­burger Presse. So zum Beispiel bringen die Literarischen Blätter der Börsenhalle die Geschichte der griechischen Revolution von Alexander Sutzos (1829, Nr. 391, Seite 287) sowie „Die Geschichte der Griechischen Kolonie auf Korsika“ von Nikolaos Stephanopulos, (1826, Nr. 131, Seite 1410). Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß die Führer des neuen Griechenland in der Hamburger Presse eingehend gewürdigt wurden. Gerade die überragende Persönlichkeit ist es ja, die die Menschen in ihren Bann zwingt. Auch die kleinsten Vertreter der geflügelten Fama, wie zum Beispiel „Der Hamburger Zuschauer“ bringen Aufsätze über Koletti und Konduriotti und Bozzaris sowie über die anderen bedeutenden Helden Griechenlands. (Hamburger Zuschauer Nr. 9, Sonnabend, den 4. März 1826).

„Messolonghi ist gefallen!“

Exodus Messologhi
Der Exodus der Belagerten von Messolonghi am Abend des 10. April 1826 erschütterte die europäische Öffentlichkeit – 1700 Kämpfer und Hunderte von Frauen und Kindern fanden den Tod. Theodoros Vryzakis (1814-1878), Öl auf Leinwand © Nationalgalerie Athen

Tiefen Eindruck macht auch in Hamburg die Kunde von dem Fall Missolunghis. Hatte man immer noch gehofft, daß die Stadt dem Ansturm der Feinde standhalten würde, jetzt war das Furchtbare ge­schehen. Die gesamte Hamburger Presse bekundet ihr tiefes Mit­empfinden mit dem Unglück, das ganz Griechenland getroffen. „Das Grausenvolle ist also geschehen, Missolunghi ist gefallen und der Rest seiner heldenmütigen Verteidiger, seiner hochherzigen Bewohner mit ihm“, schreibt der „Hamburger Beobachter“ am Sonnabend, den 27. Mai 1826. „Unter Greuel und Qualen haben sie die unverbrüchliche Treue, womit sie den Glauben verfochten, mit dem Tode besiegelt“. Eingehend wird über die Einnahme der Stadt berichtet. Die Schil­derungen sind unter dem unmittelbaren Eindruck der furchtbaren Nachricht niedergeschrieben und daher so lebhaft, so anschaulich, daß wohl kaum moderne Darstellungen uns jene Ereignisse so nahe zu bringen vermögen, einstimmig tönt das Lob der tapferen Ver­teidiger, die sechs Stunden lang in den Häusern und Mühlen sich verteidigten, bis sie sämtlich fielen. Überall wird auch der Heldenmut der Frauen hervorgehoben. Als die Besatzung schon so zusammengeschmolzen war, daß sie die Wälle nur noch schwach oder teilweise gar nicht besetzen konnte, traten nämlich die Frauen an die Stelle der Männer. „In diesem kritischen Augenblicke richtet die edle Vaterlandsliebe der griechischen Frauen den Muth der Bedrängten wieder auf – mit den Waffen ihrer getöteten oder verwundeten Gatten, Väter oder Brüder ausgerüstet, zogen sie – ein rührender Anblick !, eine Hymne auf den unsterblichen Markos Bozzaris singend, – auf die Wälle und nahmen die unbesetzten Posten ein“. Bitter aber klingt die Anklage, die die Hamburger Presse gegen das christliche Europa erhebt. „O Genius der Menschheit, verhülle dein Haupt! Ja, verhülle dein Haupt, und ihr, spätere Enkel, du strenge Nachwelt, richte die teilnahmlosen Christen des Abendlandes, eben so viele Zeugen jener entsetzlichen Begebenheit!“

Der Tod des Markos Botsaris
„Der Tod des Markos Botsaris“. Er gehörte zu den heldenmütigsten und charismatischen Militärführern der Revolution. Botsaris fiel am 9. August 1823 bei der Schlacht bei Karpenissi in Zentralgriechenland. Seine Heldentaten und sein Tod inspirierten Dichter in der ganzen Welt – Maler unbekannt, Öl auf Leinwand © Nationalgalerie Athen

Doch das Klagen und Jammern, untätige Resignation kann nicht helfen; auch singen und beten führt allein nicht zum Ziel, nein, wir müssen handeln, das Schwert nehmen! – die Hamburger Zensurkommission hat nicht eingegriffen! –mahnen nicht nur die Hamburger Dichter, sondern ruft eindringlich auch die Presse. „Schütz uns, o Herr, vor Raub und Türkenmord“ sangen wir schon in der grauen Vorzeit, aber der Herr vermag unsern Gesang kaum zu vernehmen, da das Todesgeschrey unserer gräßlich, eben von Türkenhänden gemordeten Brüder den „Sang und Orgel- und Glockenklang übertönt, und es mit dem Singen allein nicht mehr getan ist. Als Deutschlands Fürsten und Völker vor nicht gar langer Zeit auf ihren Knien lagen und zu Gott flehten, um Errettung aus Schmach und Erniedrigung, und der Herr uns gnädig war: da sangen und beteten wir nicht nur, wir nahmen das Schwert und handelten auch. Und wir sollen auch jetzt nicht nur klagen und singen und beten, sondern handeln“.

 Am 13. Mai 1826 schreibt Fr. Menck (Hamburger Beobachter): „Nur gefallen uns die ewigen Klagen um Griechenland nicht, besonders, wenn sie von Männern kommen: die Griechen haben an ihren eigenen Klagen genug, was sollen sie noch mit unseren machen. Übrigens handeln auch die Griechen mehr, als sie klagen“. Immer wieder ergehen gerade in diesen Tagen Aufrufe an die hamburgische Bevölkerung, zum Besten der Griechen zu spenden. An die Frauen Hamburgs ergeht der Ruf, von Haus zu Haus zu gehen und um Gaben für die Unglücklichen zu bitten.

„Alles ruft: keine Monarchie!“

In der Hamburger Presse tauchte dann und wann die Frage nach der zukünftigen Staats- und Verwaltungsform des befreiten Griechen­­lands auf, eine Frage, die, solange der Ausgang des ge­waltigen Rin­gens noch ungewiß war, nur untergeordnete Bedeutung hatte. In den Jahren 1828 und 1829 aber wird die Debatte über diese Angelegenheit recht lebhaft. Besonders sind es Gerhard von Hosstrup, Niebour und Ludwig, die in den von ihnen heraus­gegebenen „Liter­arischen Blättern der Börsenhalle“ den verschie­denen Ansichten in dieser Frage weiten Raum gewährten. Der Streit drehte sich vor allen Dingen um die Frage, wird Griechen­land eine Monarchie oder eine Republik. Niebour und Ludwig beschwören in ihrem stark republikanischen Empfinden die Staats­männer Europas, den befreiten Hellenen nicht einen König zu geben. „Das verhüte Gott zum Heile Griechenlands!“ „Geo­graphische Lage, Klima, Terrain und Natur, alte und neue Geschichte, Zustand und Bedürfnis des Landes, der obwohl an sich höchst verschiedene Geist der Einwohner in der Vorzeit und in der Gegenwart, alles ruft den Monarchen, die Griechenland von dem türkischen Joche befreit haben, zu: Keine Monarchie!“.

Die Redakteure der Literarischen Blätter der Börsenhalle“, mahnen, den Befreiten die „Wohltat“ nicht zu verkümmern, die sie jetzt selber wie die Aufgeklärten der ganzen Welt dankbar preisen. Das Volk wird keinen Fürsten beglücken; und andererseits kann kein Monarch und wäre es auch ein Mark Aurel diesem von der Natur zur Republik bestimmten Volk Wohlstand und Segen bringen. „Wieviel Mängel auch in der Schweiz zu rühmen (?) seyn mögen – niemandem ist es doch, selbst seit der Restauration, die doch so große Furcht und Abneigung von allem, was sich frei und republikanisch nannte, im Gefolge hatte, eingefallen, der Schweiz einen Fürsten aufdringen zu wollen: sollte man nicht gegen Griechenland die gleiche Einsicht üben?“

In einem Aufsatz „Die künftige Regierungsform Griechen­lands“ formuliert Niebour seine Ansicht noch klarer. „Der Grieche ist für die Demokratie geboren, wie der Jude für die Theokratie, wie der Chinese für die Monarchie. Er hat stets seine Tugenden unter dem Joch verloren, und er hat sie immer wieder gefunden, wenn man ihn im Namen der Freiheit in Bewegung gesetzt hat. Republikaner, ist er der Schöpfer fast allen dessen gewesen, was die gesellige Ord­nung nützliches zur Vervollkommnung des Menschen­geschlechtes darbietet“. Auch die konstitutionelle Monarchie sei dem Wesen der Griechen fremd, meinen die drei Männer der „Literarischen Blätter der Börsenhalle“. Mehrere Freunde haben ihnen (den Griechen) die konstitutionelle monarchische Regierungs­form vorgeschlagen; ich mag gerne glauben, daß dies eine kluge Art war, ihnen die nationale Regierung anzuraten, ohne die großen Mächte zu beleidigen. „Nein, der Grieche ist Demokrat, Re­publikaner. Deshalb würde der Grieche unter einer anderen Regier­ungs­form feig und treulos.“

Auch die künftige Verwaltungsform Griechenlands wird in der Hamburger Presse besprochen. Soll Griechenland nach französischem Muster in Departements eingeteilt werden? Soll es in Präfektur und Unterpräfekturen eingezwängt werden? Die Folge wäre nur, daß man der französischen Organisation gemäß bei den Griechen eine Menge bürgerliche, militärische und gerichtliche Behörden einführen müsse, die das administrative Räderwerk der französischen Departements ausmachen. Die Redakteure der „Literarischen Blätter der Börsen­halle“ meinen vielmehr, daß eine einfache Munizipal­verwaltung den Bedürfnissen Griechenlands am besten gerecht werde.

Einige Worte noch über die beiden eifrigen Hamburger Phil­hellenen, die diese Zeitungen in den Jahren des griechischen Freiheits­kampfes redigierten.

Karl Friedrich Ludwig widmete sich nach seiner Entlassung aus dem gothaischen Staatsdienst ganz der Literatur und der Kunst, zog nach einem kurzen Aufenthalt in Bremen nach Hamburg und wurde 1832 zum Doktor honoris causa ernannt. Er starb 1846 in Hamburg. Sein Mitarbeiter Johann Friedrich Christian Niebour, geboren 1783 zu Nienburg an der Weser, war zunächst Kaufmann, kam aber schon 1805 nach Hamburg und wandte sich hier ganz der Journalistik zu. Er war ferner politischer Korrespondent mehrerer angesehener ausländischer Zeitungen, so zum Beispiel der „Times“ und der „Gazette de France“. Er starb 1865 im Alter von 82 Jahren. Über den dritten Mitarbeiter an den Literarischen Blättern der Börsenhalle“, Gerhard von Hosstrup siehe o. S. 85.

Es kann sich bei dieser Betrachtung der Haltung der phil­helleni­schen Hamburger Presse nur um einen Überblick handeln. Die Zahl der Artikel über Griechenland und den Freiheitskampf ist so beträchtlich, daß nur eine ganz geringe Auslese hier geboten werden konnte.

Die Altonaer Presse

Ein Blick über die Grenzen Hamburgs nach der jetzt mit ihm ver­einigten Nachbarstadt mag auch die Haltung der Altonaer Presse in aller Kürze zeigen. Der Altonaische Merkurius“ ist kühl zurückhal­tend. Es fehlt ihm die packende begeisternde Sprache. Groß ist die Zahl der Artikel, die sich abfällig über die Griechen und ihren Frei­heits­kampf äußern. (Zum Beispiel 26. November 1821). Es ist nicht gerade hämische Freude, mit der die Zeitung diese Nachrichten bringt, aber auffallend gering ist die Zahl der günstigen Stimmen. Eine andere Stellung nehmen die übrigen allerdings bei weitem unbedeutenderen Blätter Altonas ein. „Die Königlich-Priviligierten Altonaer Adreß-Comptoir-Nachrichten“ sowie die „Historischen Blätter“ brachten besonders die Anzeigen der griechenfreundlichen Bürger. Witwe Wientapper lud zum Beispiel in Nr. 69 (1830) zum ,,Türkenschießen auf dem Hahnenkamp“ ein.

Der „Königlich-Dänische Priviligierte Anzeiger“ brachte Gedichte des Philhellenen G. v. Bueren. Die Aufsätze über die Neugriechischen Sitten und Gebräuche, die Nationallieder der Griechen sind nicht sehr tiefschürfend und enthalten manche Unrichtigkeiten. Am 27. Dezember 1821 erschien ein kleiner Aufsatz über Kalamata. Ein auch in Altona gelesenes ,,Königlich-Priviligiertes, gemeinnütziges und unterhaltendes Wochenblatt für Itzehoe“ brachte ebenfalls Aufsätze über griechische Erziehung, die Insel Hydra und sucht sogar Interesse für den griechischen Käse zu wecken. Ein Artikel über den Grafen Johann Kapodistrias ist recht trocken geschrieben. Das in Altona erscheinende Politische Journal“ (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Hamburger Schrift) brachte einen recht nüchtern geschriebenen Aufsatz über die Begebenheiten seit Ausbruch des Aufstandes. Zusammenfassend ist festzustellen, daß auch die Altonaer Presse, abgesehen von dem „Altonaischen Merkurius“, ebenfalls recht griechenfreundlich ist, bei weitem aber nicht an das hohe Niveau der Hamburger Zeitungen heranreicht.

Akropolis in der Türkenzeit
Die Akropolis von Athen in den ersten Jahren nach der Befreiung  – Bild von Georgios Margaritis (1814-1884), Aquarell auf Papier © Nationalgalerie Athen