„Wehrmachtssoldaten auf Kreta in der deutschen Literatur“

Aus Anlass des 75. Jahrestages des Überfalls des nationalsozialistischen Deutschlands auf Kreta im Mai 1941 haben am 9. Mai 2016 das Institut für Griechische u. Lateinische Philologie der Universität Hamburg und die Deutsch-Griechische Gesellschaft Hamburg e.V. zu einem Vortrag von Dr. Athanasios Anastasiadis im Philosophenturm der Universität Hamburg eingeladen. Das Thema des Vortrages hieß „Wehrmachtssoldaten auf Kreta in der deutschen Literatur“   –  „… als er wegfuhr von Kreta, dachte er nicht mehr an Homer-Verse, sondern an ein kretisches Bergdorf!“

Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft wurde in der deutschen Nachkriegsprosa intensiv verarbeitet, es gibt aber nur wenige Erzähltexte über die deutsche Besatzung Griechenlands. Im Mittelpunkt des Vortrags standen drei Werke, die den Partisanenkrieg auf Kreta thematisieren:

  • Der Kretische Krieg (1957) des DDR-Autors Egon Günther handelt von den Ängsten und Konflikten zweier  Wehrmachtsdeserteure in einem kretischen Bergdorf;
  • Klaus Hönigs Werk Die Hochzeit in den Weißen Bergen (1986) erzählt von einem ehemaligen Wehrmachtssoldaten, der während eines Kreta-Urlaubs von seiner verdrängten Vergangenheit eingeholt wird;
  • in Klaus Modicks Roman Der kretische Gast (2003) entdeckt ein Student, dass sein Vater als Täter aktiv in Wehrmachtsverbrechen auf Kreta verstrickt war.
Der kretische Krieg
Der kretische Krieg
Die Hochzeit in den Weißen Bergen
Die Hochzeit in den Weißen Bergen
Der Kretische Gast
Der Kretische Gast

Aus welchen Beweggründen handeln die Protagonisten und wie rechtfertigen sie ihre Handlungen? Wie werden Vergeltungsmaßnahmen und Gräueltaten, Widerstand und Kollaboration, kollektive und individuelle Schuld erzählerisch vermittelt? Diese sind Fragen, die Dr. Anastasiadis in seinem Vortrag  erörternd nachgegangen ist.

Dr. Athanasios Anastasiadis ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt „Täterschaft und Narration: das Paradigma der griechischen Nachkriegsprosa in komparatistischer Perspektive“ und zugleich Leiter des Projekts. Er hat an den Universitäten Hamburg und Thessaloniki Byzantinistik und Neugriechische Philologie sowie Deutsche Sprache und Literatur studiert, war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neugriechischen Abteilung des Fachbereichs für Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo er 2007 mit einer Arbeit zu Kostantinos Chatzopoulos als Übersetzer deutscher Literatur promoviert wurde, und ist seit 2007 mit Unterbrechungen wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg.

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