Hamburg feiert das 100-jährige Jubiläum der Deutsch-Griechischen Gesellschaft

Hamburger Rathaus
Photo: Herbert Böhm

Am 20. April 2018 wehte die blau-weiße Flagge Griechenlands über dem Hauptportal des Rathauses der Freien und Hansestadt Hamburg. An diesem Tag empfing die Stadt im festlichen Kaisersaal 200 illustre Gäste aus Griechenland und Deutschland, um mit ihnen das 100-jährige Bestehen eines der ältesten bilateralen Vereine der Stadt zu feiern – der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Hamburg e.V. (DGG-HH).

Die 1918 von renommierten griechischen und deutschen Wissenschaftlern und Unternehmern gegründete DGG-HH gehört zu den wenigen bilateralen Vereinen im deutschsprachigen Raum, die zwei Weltkriege und unzählige politische Turbulenzen in beiden betreffenden Ländern (Militärputsche, Diktaturen, militärische Besetzungen) überlebt haben und ihre Arbeit bis heute ununterbrochen fortsetzen konnten.

Unter den zahlreichen Gästen im Hamburger Rathaus waren der griechische Botschafter in Berlin, Theodoros Daskarolis, der deutsche Botschafter in Athen, Jens Plötner, der für das Deutsch-Griechische Jugendwerk zuständige Generalsekretär im griechischen Bildungsministerium Pausanias Papageorgiou, die Präsidentin der Vereinigung Deutsch-Griechischer Gesellschaften in Deutschland Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk, der Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Hamburg Prof. Dr. Ulrich Moennig, der Direktor des Centrum Modernes Griechenland an der Freien Universität Berlin Prof. Dr. Miltos Pechlivanos (er referierte zum Thema: „Deutsch-griechische Annäherungen durch Kulturtransfer – Einladung zu einer Neuortung“), der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos von Deutschland u.v.a.

 

Dr. Peter Tschentscher
Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher am Rednerpult des Kaisersaals (Photo: Herbert Böhm)

Gastgeber war der erst vor wenigen Wochen neugewählte Erste Bürgermeister der Hansestadt und Präsident des Hamburger Senats Dr. Peter Tschentscher, Nachfolger im Amt des heutigen Vizekanzlers und Bundesfinanzministers Olaf Scholz. Von Olaf Scholz stammte die Initiative, dieses für die Hansestadt wichtige Jubiläum durch einen Empfang im Hamburger Rathaus zu feiern, um damit nicht nur das 100-jährige DGG-Jubiläum, sondern auch die traditionell sehr guten Beziehungen zwischen Griechenland und Hamburg zu würdigen.

Die Bedeutung der hundertjährigen Arbeit der DGG Hamburg zur Förderung der deutsch-griechischen Beziehungen unterstrich in seiner Rede der Erste Bürgermeister und Gastgeber Dr. Peter Tschentscher und sagte unter anderem:

Europa braucht Freundschaften zwischen den Menschen seiner Nationen, es braucht Fürsprecher wie die Deutsch-Griechische Gesellschaft. Die Jahrzehnte des Friedens und der Kooperation in Europa sind nicht von allein entstanden. Sie sind das Ergebnis ständiger Anstrengung und Bemühungen, auf andere zuzugehen, Konflikte gewaltlos und nach demokratischen, rechtsstaatlichen Regeln auszutragen…

Gruppenbild
v.l.n.r.: J. Plötner, P. Papageorgiou, Dr. S. Skarpelis-Sperk, Prof. Dr. U. Moennig, Th. Daskarolis, Dr. P. Tschentscher (Photo: Herbert Böhm)
Kaisersaal
Der Kaisersaal war bis auf den letzten Platz besetzt (Photo: Herbert Böhm)

Die Glückwünsche des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg überbringend sagte Dr. Tschentscher weiter:

„Griechenland ist nicht nur historisch die Wiege der Demokratie, es ist auch ein unentbehrliches Mitglied der europäischen Staatenfamilie. Die griechische Kultur ist bei uns überall erlebbar – in den Museen genauso wie in den Unternehmen und im Alltag. Die Arbeit der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Hamburg zeigt, wie kulturelle Unterschiede in einem geeinten Europa nicht als Problem gesehen, sondern als Vielfalt gefeiert werden“.

Griechischer Botschafter
S.E. der griechische Botschafter Theodoros Daskarolis      (Photo: Herbert Böhm)      

Der griechische Botschafter Theodoros Daskarolis würdigte in seinem Grußwort die Arbeit der deutschen und der griechischen Mitglieder der DGG-HH und sagte:

„Ihre Aktion bildet eine Hinterlassenschaft, die uns immer wieder bestätigt, dass auch in den schwierigsten Momenten der bewegten Geschichte unserer beider Völker, Menschen immer wieder zusammenfanden, die uneigennützig ihren Wunsch nach einer gleichberechtigten und konstruktiven griechisch-deutschen Beziehung zum Ausdruck brachten.“

 

 

Jens Plötner, der aus Athen angereiste deutsche Botschafter, unterstrich die Bedeutung der deutsch-griechischen Vereine in der heutigen Zeit sowohl für die zivilgesellschaftliche Förderung der Jugend in Griechenland, als auch für die Aufarbeitung „der hellen und der dunklen Seite unserer Geschichte“. Er sagte wörtlich:

„Insofern ist dieses 100-jährige Jubiläum kein Anlass für eine nostalgische Retrospektive in die Vereinsgeschichte, im Gegenteil: Der Hamburger Verein und alle anderen Deutsch-Griechischen Vereine in Deutschland sind gerade jetzt und für die Zukunft besonders notwendig. Wir brauchen die zivilgesellschaftliche Förderung der Jugend, wir brauchen Ihr Engagement bei der Eröffnung beruflicher Perspektiven, bei der Förderung des europäischen Gedankens, bei der Aufarbeitung der hellen und der dunklen Seite unserer Geschichte, bei der Begründung lebendiger Beziehungen in den verschiedensten Bereichen.“

Der deutsche Botschafter in Athen Jens Plötner mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der DGG-HH Pantelis M. Pantelouris (Photo: Jürgen Rompf)

Vom Beitrag der DGG Hamburg zur Verbreitung der Kenntnisse über Griechenland und über die griechenlandbezogene Forschung an der Universität Hamburg, sprach der Hamburger Neogräzist Prof. Dr. Ulrich Moennig, Vorsitzender der Hamburger Gesellschaft. Er sagte:

„Die DGG-Hamburg trug und trägt dazu bei, dass Kenntnisse über Griechenland, seine Geschichte, Kultur, Wissenschaft und über wesentliche Aspekte des öffentlichen Lebens in eine weite Öffentlichkeit getragen werden – und sie trägt dazu bei, dass auf Griechenland bezogene Forschung an der Universität Hamburg für die Öffentlichkeit der Freien und Hansestadt und der gesamten Metropolregion sichtbar ist.“

Die Präsidentin der VDGG Frau Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk (Photo: Jürgen Rompf)

 

Auf die aktuelle Wirtschaftskrise in Griechenland und deren Folgen vor allem für die griechische Jugend ging die Vorsitzende der Dachorganisation der 40 Deutsch-Griechischen Vereine in Deutschland, Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk ein und würdigte in ihrer Rede die Förderung des deutsch-griechischen Jugendaustausches zwischen Griechenland und Hamburg durch die Deutsch-Griechische Gesellschaft Hamburg.

 

 

 

 

Generalsekretär Pausanias Papageorgiou (Photo: Jürgen Rompf)

„Die Deutsch-Griechische Gesellschaft der Freien und Hansestadt Hamburg hat schon immer die griechische Kultur und die klassischen Studiengänge unterstützt und gefördert – eine Voraussetzung für die lineare Kontinuität der europäischen Geschichte“ sagte der Generalsekretär im griechischen Bildungsministerium Pausanias Papageorgiou, der gleichzeitig die Hoffnung äußerte, die Gründung des Deutsch-Griechischen Jugendwerkes „würde zur engeren europäischen Zusammenarbeit im Bereich der Jugend beitragen.“

 

 

 

 

Mit einem maritimen Spruch beglückwünschte die Hamburger Gesellschaft Metropolit Augoustinos, der Oberhirte der ca. 300.000 griechisch-orthodoxen Christen in Deutschland.

Metropolit Augoustinos
S. E. Metropolit Augoustinos von Deutschland auf dem anschließenden Deutsch-Griechischen Wochenende (Photo: Jürgen Rompf)

Er sagte: „Χρόνια πολλά, γαλήνιες θάλασσες, καλά ταξίδια und Gut Wind und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“, und erinnerte, dass vor 100 Jahren die maritimste aller deutschen Städte mit dem maritimsten aller europäischen Länder durch die Gründung der Deutsch-Griechischen Gesellschaft eine Art Ehe eingegangen sind, die heute goldenes Jubiläum feiert.

 

 

 

 

Miltos Pechlivanos
Prof. Dr. Miltos Pechlivanos (Photo: Jürgen Rompf)

 

Im Rahmen des Senatsempfangs referierte der Direktor des Centrums Modernes Griechenland an der Freien Universität Berlin Prof. Dr. Miltos Pechlivanos  zum Thema „Deutsch-griechische Annäherungen durch Kulturtransfer – Einladung zu einer Neuverortung“. Die Rede beinhaltet interessante Ansätze zum Nachdenken über die zukünftige Arbeit der deutsch-griechischen Gesellschaften (zum vollständigen Redetext).

 

 

 

 

 

Musiker
Dimitris Kolonas, Emilia Stepien, Tianyu Xie (v.l.) (Photo: Jürgen Rompf)

Die Festreden im Rathaus umrahmten musikalisch drei talentierte junge Künstler der Musikhochschule Lübeck (Dimitris Kolonas, Violine, Emilia Stepien, Bratsche, Tianyu Xie, Cello). Sie trugen Werke deutscher und griechischer Komponisten vor, welche – wie der künstlerische Leiter des Abends, Antonis Adamopoulos, sagte „im Mittelpunkt der Musiktradition Griechenlands und Deutschlands standen“: Haydn, Beethoven, Brahms, aber auch klassische Werke von Mikis Theodorakis und griechische Volkslieder, arrangiert für Streichinstrumente von Antonis Adamopoulos. Der junge griechische Komponist schrieb eigens für den Geburtstag der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Hamburg ein Stück für Bratsche solo, für das er stürmischen Beifall erntete.

Die Jubiläumsschrift

Zum Jubiläum hat die DGG Hamburg eine Jubiläumsschrift herausgegeben, die hier heruntergeladen werden kann.Jubiläumsbroschüre

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